Rue Lise Rischard - Straßen

Rue Lise Rischard

Erpeldingen an der Sauer
Spionin im 1. Weltkrieg
Baut das Spionagenetzwerk in Luxemburg für die Allierten auf, übermittelt codierte Nachrichten
Name
Lise
Meyer
Geburtsjahr
1868
Todesjahr
1940
Wohnorte
Luxemburg-Stadt, Paris

Who is she?

Lise Meyer, geboren 1868 in Eich, Tochter des Industriechemikers Aloyse Meyer, ist eine wohlhabende und angesehene Luxemburgerin. Im Jahre 1900 heiratet Lise Meyer den Arzt Camille Rischard. Das Ehepaar bewohnt eine Villa in Luxemburg-Stadt 20, Boulevard Royal.

Im Sommer 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, fährt die 49jährige Lise Rischard nach Paris um ihren aus erster Ehe stammende Sohn Marcel Pelletier zu besuchen, bevor dieser in den Krieg eingezogen wird. Nachdem sie von den deutschen Autoritäten eine Genehmigung erhält, in die Schweiz einzureisen, setzt sie sich heimlich nach Paris ab. Als Lise Rischard dann wieder zurück in die Schweiz will, hindert eine kurzfristig eingeführte Visapflicht sie jedoch daran und sie sitzt in Paris fest. Hilfesuchend wendet sie sich an einen Bekannten, der ihr Captain George Bruce, Leiter der Pariser Außenstelle des englischen Geheimdienstes vorstellt. Man unterbreitet ihr einen Vorschlag: Wenn sie sich bereit erklärte für den englischen Geheimdienst zu arbeiten, wird ihr die Rückfahrt nach Luxemburg ermöglicht. Nach anfänglichem Zögern, reiflicher Überlegung und mehreren Treffen, sagt Lise Rischard schlussendlich zu. Die luxemburgische Hausfrau wird zum Agenten in Paris ausgebildet. Sie entpuppt sich als eine Frau von außerordentlicher Intelligenz und Mut, die in der Lage ist, einen byzantinisch komplizierten Code auswendig zu lernen und damit detaillierte Nachrichten über Truppenbewegungen aus dem Herzen des Feindeslandes zu übermitteln.

Fast ein Jahr verbringt Lise Rischard in Paris, um sich auf ihre neue Aufgabe vorzubereiten. Durch die Interventionen der französischen und englischen Geheimdienste wird ihr ein Visum von den Schweizer Autoritäten ausgestellt. Nach acht zermürbenden Monaten in der Schweiz, kommt Lise Rischard Anfang Februar 1918 nach Luxemburg zurück. Doch wie sollen die kodierten Nachrichten sicher übermittelt werden? Die Lösung ist Der Landwirt, einer bescheidenen Zeitschrift, die Paul Schroell und seine Frau Jeannette Schmit in Diekirch herausgeben. Die verschlüsselten Nachrichten von Lise Rischard werden in Artikeln verarbeitet. Die Zeitung gelingt anschließend per diplomatischen Kurier nach Paris.

Lise baut mit ihrem Mann Dr. Camille Rischard, beratender Arzt der Eisenbahngesellschaft, das Spionagenetzwerk in Luxemburg auf. Die Informationen aus Luxemburg, die sehr regelmäßig und präzise sind, erlauben den britischen und französischen Militärbehörden, den Aufmarsch der deutschen Truppen genauer zu bestimmen und sind somit für die Alliierten von großer Bedeutung. Dank den Informationen des luxemburgischen Netzwerkes erkennen die Generalstäbe der alliierten Armeen, wo das deutsche Heer die letzte große Offensive im Herbst 1918 plant, die so verhindert werden kann.

Nach dem Krieg werden die Mitglieder des Netzwerkes von Lise Rischard für ihre außerordentlichen Verdienste von Großbritannien und Frankreich ausgezeichnet. Lise Rischard erhält das französische Croix de guerre avec palmes und wird zum Commander of the British Empire ernannt.

Lise Rischard stirbt 1940 in der Stadt Luxemburg.

Quellen:

  • Ons Stad _118_2018_36-39.pdf – Jean Reitz, Nadine Geisler: Lise Rischard, eine luxemburgische Spionin im Ersten Weltkrieg
  • The Observer (8.08.2004): Jane Stevenson: Spies with attitude
  • Janet Morgan - The Secrets of Rue St Roch, Edition Allen Lane, 2004
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