Rue Lily Krier-Becker - Straßen

Rue Lily Krier-Becker

Roeser
Engagierte sozialistische Aktivistin
Mitbegründerin der Frauenorganisation "Foyer de la Femme"
Name
Lily
Becker
Geburtsjahr
1898
Todesjahr
1981
Wohnorte
Luxembourg-Stadt ¦ Frankreich ¦ London-Vereinigtes Königreich ¦ USA

Who is she?

Lily Becker, 1898 in Luxemburg geboren, schließt sich schon früh der Arbeiterbewegung an, tritt im April 1919 der Sozialistischen Partei bei und wird zu einer engagierten Aktivistin. Das Interesse an der Politik wird ihr von ihrer Mutter in die Wiege gelegt, die selbst Mitglied der Sozialistischen Partei und 1924 Mitglied des Gemeinderats der Stadt Luxemburg ist. Die junge Lily Becker hält während der Demonstration am 13. August 1919 in der Hauptstadt eine spontane Rede, in der sie sich mit der Prämie für teure Lebenshaltung und den Lebensmittelpreisen befasst. Diese flammenden Worte gelten als der Beginn ihres lebenslangen politischen Engagements.¹


Ab 1919 versuchte sie, einen "Verband der weiblichen Angestellten und Arbeiterinnen" zu gründen. In der Zeitung "Der Proletarier" rief sie dazu auf: "Wacht auf! Genossinnen! (...) Meine Schwester, die du Tag für Tag harte Arbeit in der staubigen Atmosphäre der Fabrik verrichten musst; meine Freundin, die du in einer schlecht belüfteten Theke vor dicken Büchern sitzt; du, meine Kollegin, die dir in der Werkstatt die Hände blutig sticht; du, meine Genossin, die du den ganzen Monat über hinter einer Ladentheke für einen Hungerlohn stehst; ihr alle, die ihr Sorgen habt und euch abmüht, kommt zu uns, kommt mit uns."


1920 gab sie ihre Arbeit als Verkäuferin auf und wurde Hilfssekretärin für das Sekretariat der im selben Jahr gegründeten Gewerkschaftskommission. Bei der Demonstration zum 1. Mai 1920 in Esch-sur-Alzette spricht die junge Frau in der Öffentlichkeit. In der Wochenzeitung "Proletarier" schreibt sie unter der Rubrik "Zeitkritik" Artikel vor allem über Frauenthemen und soziale Probleme. Als 1924 die Arbeiterkammer gegründet wird, übernimmt die junge Gewerkschaftsfunktionärin das Sekretariat, eine Funktion, die sie bis 1937 ausübt. Lily half 1927 bei der Gründung der Frauenorganisation "Foyer de la Femme" und wurde deren Vizepräsidentin.


Als Lily Becker 1919 in die Sozialistische Partei eintrat, lernte sie Pierre Krier kennen, einen Gewerkschafter und damaligen Parlamentsabgeordneten. Aus ihrer gemeinsamen Leidenschaft für die Sache der Arbeiter entstand ihre Liebe. Lily Becker heiratet Pierre Krier am 7. Mai 1923 in Esch/Alzette. Ihr starkes Engagement im Berufsleben und in der Politik, ihr galoppierender Lebensrhythmus und ihr Verantwortungsbewusstsein verbieten es ihnen, in dieser schwierigen Zeit Kinder zu bekommen. Lily Krier-Becker, die sehr engagiert an der Seite ihres Mannes steht, sagt von sich selbst, dass sie schnell gelernt hat, auf eigenen Füßen zu stehen und Entscheidungen allein zu treffen. Als ihr Mann 1937 Mitglied der Regierung wurde, stellte Lily ihre politischen und gewerkschaftlichen Aktivitäten ein. Erst nach dem Krieg tauchte sie wieder in der Öffentlichkeit auf.


In den 1930er Jahren gehörte Lily Krier-Becker zu denjenigen, die Flüchtlinge aus Nazi-Deutschland unterstützten. Da sie selbst von der Nazijustiz betroffen waren, floh das Paar 1940 aus Luxemburg. Lily Krier-Becker bleibt in Frankreich, in Avallon, während ihr Mann, der immer noch als Arbeitsminister tätig ist, zunächst nach Portugal ins Exil gehen muss, wo Lily ihn nach sechs Monaten Trennung in Lissabon erreichen kann. Die Eheleute leben in London und später in den Vereinigten Staaten. Das Tageblatt veröffentlichte am 15. November 1944 einen Artikel von Lily Krier-Becker aus New York mit dem Titel "Glossen zur Wahl Roosevelts". 1945 bewarb sie sich für ein politisches Mandat für die Sozialistische Partei. Bis 1950 blieb Lily Krier-Becker Mitglied der Parteiführung, engagierte sich in der europäischen Bewegung und schrieb Artikel für die Gewerkschaftspresse.


1979 drückte sie rückblickend ihre Enttäuschung über die Einführung des Wahlrechts 1919 in einem Artikel aus: "Damals kümmerten sich die Frauen überhaupt nicht darum. Man hat ihnen das Wahlrecht geschenkt, um die Dynastie zu retten." Die Gewerkschafterin starb im Oktober 1981.

Quellen:
● ¹ Renée Wagener, "...wie eine frühreife Frucht". Zur Geschichte des Frauenwahlrechts in Luxemburg, Luxemburg 1994, S. 84-85.
● Ben Fayot, Lily Krier-Becker (1898-1981), in: Tageblatt vom 5. November 1981 Nr. 252, S. 8.
● ² Goffinet, Viviane: "Die Arbeiterinnen sollen aus dem Schatten ihrer Maschinen heraustreten [...]": Frauen und Gewerkschaften zwischen 1900 und 1938, in: "Wenn nun wir Frauen auch das Wort ergreifen ...", S. 239-254.
● Lily Krier-Becker: "Pierre Krier. Ein Lebensbild", Luxemburg, 1957.

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