„Es gibt zwei Mikroben, die ich mein ganzes Leben lang nicht loswerden konnte: die Reiselust, die damit begann, dass ich Geld verdiente, und die Schreiblust.“ (1)
Mie wurde 1897 in Hostert als Tochter von Johann Rodenbour und Marie Nickels geboren und stammte aus einer kinderreichen Familie mit acht Geschwistern. Schon in ihrer frühen Kindheit entwickelte sie eine Leidenschaft für das Lesen, die sie so ausdrückte: „Diese Bücher, die Freunde sind, die die wunderbarsten Geschichten aus den wunderbarsten Welten erzählen, die ein Rendezvous mit den Flammen, den Zeiten und der Musik der so blauen Nächte versprechen ...“.
Nach dem Besuch der Lehrerinnenausbildungsschule unterrichtet Mie Rodenbour in Perlé, wo sie ihren Kollegen Albert Wingert kennenlernt, den sie 1922 heiratet. 1923 begleitet sie ihren Mann ins Saarland, wo er zum Direktor der französischen Schulen ernannt wird, die unter der Aufsicht des Völkerbundes stehen. Mie wird ihrerseits Dozentin in Völklingen.
Nach Hitlers Machtübernahme kehrt das Paar nach Luxemburg zurück, und 1933 verlässt Mie Wingert-Rodenbour ihren Ehemann. Auf Anregung von Kathrin C. Martin, die sie während ihres Aufenthalts in Perlé kennengelernt hatte, beginnt sie eine journalistische Laufbahn. Sie pflegt auch Freundschaften mit Ry Boissaux und Maria Gleit.
Während des Zweiten Weltkriegs finanzierte sie ihren Lebensunterhalt durch die Vermietung von Zimmern an Studierende. Nach dem Krieg wurde Mie Rodenbour Redakteurin bei La Meuse-Luxembourg und war dort insbesondere für die Luxemburg-Seite verantwortlich. Parallel dazu hatte sie eine Teilzeitstelle in der Nationalbibliothek inne. Ab 1946 war sie Mitglied des Komitees der Luxemburger Naturforschenden Gesellschaft.
Mie Rodenbour war eine produktive Schriftstellerin: Sie verfasste Gedichte, die ihre Liebe zur Natur zum Ausdruck brachten, sowie Erzählungen und Reiseberichte. Ihr Erzählband „Feuer, Frauen und Firnen” (1946) versammelt fünf Geschichten, die verschiedene weibliche Schicksale schildern. In „Hepp weiss Bescheid”, ursprünglich veröffentlicht im „Luxemburger Wort”, versucht sie, einem jungen Publikum auf spielerische Weise Wissen über die Tier- und Pflanzenwelt zu vermitteln. Ihre Erinnerungen an ferne Länder fließen ebenfalls in Erzählungen und Gedichte ein. Ein charakteristisches Merkmal ihres Werks ist ihr angeborener Sinn für Humor und ihre Vorliebe für geistreiche Wortspiele.
Die Schriftstellerin stirbt am 4. Februar 1959.
--------------------
(1) Luxemburger Wort vom 17. April 1957
Quellen:
● https://www.autorenlexikon.lu/page/author/163/1636/FRE/index.html
● Luxemburger Wort vom 17. April 1957